10.07. - 27.07 - von Lauterbourg /Frankreich nach Kürzell (Deutschland)
Erst Frankreich dann wieder Deutschland

Freitag und Samstag war für Jon wieder spielen angesagt. Zunächst probierte er es in Rastatt aus. In Seltz parkten wir absichtlich sehr nah an der Fähre, doch wie wir leider feststellen mussten "außer Betrieb". Einen Zug gab es auch nicht in der Nähe. Also Atlas aufgeschlagen - "Wo ist denn hier die nächste Brücke?". Schätzungsweise liegt Rastatt ca. 15 km entfernt. Am nächsten morgen dann: Musikgelumpe in den Anhänger und fleißig die Pedalen schwingen. Ich blieb am Wagen und hatte mir vorgenommen, die andere Seite des Wagens gelb anzumahlen. Zu meinem Erstaunen kam Jon eher zurück als erwartet. Als ich genauer hinschaute ohne Anhänger und Spielgelumpe. Mmmh, wohl kein gutes Zeichen, dachte ich mir. Und tatsächlich, Jon berichtete verschwitzt, dass die Stadt schon ab Mittag wie tot sei. Sein Zeug versteckte er im Wald in der Nähe von Rasstatt, um nicht noch einmal den weiten Weg mit soviel Gepäck zurück zu legen.Zum Glück war ja erst Freitag, sodass der wertvolle Samstag noch nicht auf's Spiel gesetzt wurd Walde. Am nächsten Tag schaffte er es früher wegzukommen. Sage und schreibe bis 22.00 Uhr war mein Schatzi weg. Erst spielte er in Rasstatt bis alles tot war und dann fuhr er noch nach Karlsruhe mit der Bahn. Ein durch und durch anstrengender Tag. Am Sonntag dann schaffte Jon es beide Hottes zu beschlagen. Leider wurde unsere kleine Gasflasche dabei  fast alle. Bekanntlich fallen die französichen anders aus also müßten wir demnächst wieder Deutschland einen Besuch abstatten.
Montag waren wir wieder unterwegs. "Petri" verzögerte uns anfangs den Start, doch dann hatten  wir Glück mit dem sonst sehr wechselhaften Wetter. Von Seltz ging es dann nach Fort Louis. Dieses Fleckchen wurde uns von unserem französichen Freund René empfohlen. Wir stoppten und Schatzi war gerade dabei den perfekten Parkplatz zu erkunden, da kam ein Auto dahergefahren. Der Typ sprach uns im elsässischen Dialekt an. Jon und ich, wir schauten uns an: "Verstehst du was?", "Nee"! Noch einmal von vorn und schön langsam bitte. Übrigens elsässisch ist eigentlich deutsch. Mit Mühen gelang es uns - mehr oder weniger - seinem Anliegen zu folgen. Er heißt Clément und ist der Kumpel vom René, der gerade in Urlaub war. Er berichtete, das uns das Örtchen schon erwartet hatte. Sogleich wurde uns der Parkplatz gezeigt. Dieser lag mitten in einem Pfor. Ringsherum verlief eine mit Sträuchern bewachsene alte Mauer. Wir fuhren durch ein großes Tor und vor uns lag ein großer Wiesenplatz. Weiter hinten hatten französiche Pfadfinder ihr Lager aufgeschlagen. Sogleich wurden wir zum Essen eingeladen. Anschließend saßen wir noch gemütlich am Feuer zusammen und lauschten den französischen Pfadfinderliedern. Am nächsten Tag wurden wir vom Bürgermeister  sehr herzlich begrüßt. Dieser war sehr neugierig und fand heraus das Jon ein Ein-Mann-Orchester spielt. Es folgten spontane Verhandlungen. Jon wurde also engagiert zum Nationalfeiertag zu spielen. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an die Gemeinde.  Bevor das Fest los ging, durften mutige Kinder auf unseren beiden Rössern eine Runde reiten. Wir freuten uns, das die Kinder so zahlreich erschienen. Während der Veranstaltung hatte Jon's Show noch einen anderen Einwohner von Fort-Luis faszieniert. Wir bekamen eine weitere spontane Einladung zur Geburtstagsfeier zu spielen. An dem Tag war es sehr heiß und schwül. Zufälliger Weise fand die Feier neben einem See statt, sodass wir die Pferde unter einem Baum im Schatten anbinden und ihnen öfter eine Dusche verpassen konnten. Wir stopften uns den Bauch mit allerlei Köstlichkeiten voll. Während unseres Aufenthaltes in Fort Louis wurden wir öfter von Clément und seiner Frau eingeladen. Die Sympathi sprang rüber. Clement ist Bio-Landwirt und Annerose (so heißt seine Frau) arbeitet als Journalistin. Sie war sehr angetan von uns und wollte einen Artikel schreiben. Mittlerweile war das Wochenende schon wieder um und wir wollten wieder weiter. Montag jedoch war es sehr heiß, drum verschoben wir unsere Abreise um einen Tag.

Gemeinde Fort-Louis uns hat es bei euch sehr gefallen!!! Vielen Dank!!!

Es ging weiter Richtung Offendorf (Frankreich). Über die Connections von Annerose überviel uns ein französischer Reporter dem wir ein Blitzinterview gaben. Er war ein junger Kerl, lässig gekleidet und voll auf Zack. Très interessant! > Demnächst auf unserer Presseseite und natürlich auf französich :-) <
In der Nähe von Offendorf fanden wir einen schönen Wiesenparkplatz für die Pferde. Das Gras stand hoch und wir parkten direkt an einem Kanal neben dem Rhein. Leider war dieser Parkplatz schon voll ausgebucht. Doch wie schlimm es wirklich werden würde, ahnte von uns keiner. Das übliche folgte: Paddock aufbauen, Pferde nackig machen und Wasser holen. Und dann kamen sie - die teuflischen kleinen Plagegeister. Moskitos, und zwar unzählige!!! Jon sprang sogleich hinter das Moskitonetz auf unserem Bett, ich folgte ihm. Göttin sei Dank, was für eine großartige Erfindung! Es sind nämlich nur ungefähr 20 Stück bei jedem Ein- und Ausgang mit reingeschlüpft. Der Schlaf war hin. So ziemlich müde ging es dann von Offendorf weiter nach Gambsheim. Hier parkten wir direkt am Kanal kurz vor Deutschland. Große Bäume, viel Schatten und gutes grünes Gras. Am nächsten Tag fuhren wir nach La Wanzenau. Wir hielten gerade Ausschau nach einem geigneten Parkplatz, da lud uns ein netter Elsässer ein bei ihm zu parken. Gutes Timing! Er, Michel, hatte eine kleine Ziegenfarm und wir bekamen öfter frische Eier. Früher hatte er Arkkordeon gespielt. Da ich noch ein Instrument suchte, das man auf dem Pferd spielen kann, stellte ich meine Lauscher auf, und erwähnte, dass ich auch Akkordeon lernen möchte. Wir konnten es günstig von ihm abkaufen.
Für Fynn begannen die ersehnten Schulferien. Seine Mama brachten ihn zu uns. Nun sind wir für sechs Wochen zu dritt. Jon wollte an diesem Wochenende eigentlich in Straßbourg spielen. Wir erhielten jedoch eine e-mail in der geschrieben stand, dass man sich bei der Stadt melden muss. Dann braucht es ganze 15 Tage Bearbeitung. Dazu benötigen die noch eine Postadresse, wo sie die Genehmigung hinschicken können. Ganze 3 fette Steine haben die in den Weg gelegt, sodass es für Wandermusikanten überhaupt nie möglich sein wird spielen zu können. Aurevoir Straßbourg wir haben kein Bock mehr auf dich! So entschieden wir uns wieder die Seite zu wechseln und fuhren über die Grenze nach Deutschland. Bei Honau wurden wir von einem Privatmann eingeladen zu parken. Er hieß Siegfried und hatte ein nettes, abgelegenes Grundstück neben einem Angelteich. Am Wagen aßen wir mit Siegfried zusammen Abendbrot und plauderten ein wenig. Demnächst möchte er nach Spanien trampen.
Am nächsten morgen nahmen wir fast vollständig ein lustiges Bad im Angelteich. Jon braucht ganz schön lange, bis er knietief endlich im Wasser ist. Ein bisschen wärmer und wir wären fast ganz untergetaucht. Weiter ging es durch Kehl nach Maren. Inzwischen können wir schon reichlich Äpfel für die Pferde an den Wegesrändern aufsammeln. Seit zwei Wochen hat sich das Landschaftsbild nicht wirklich verändert. Überall wo man hinschaut nichts als Mais, Mais und Mais. Ab und zu bekommen die Pferdchen auch ein Kölbchen ab. Nicht mehr lange und die Bauern steh'n stramm die riesigen Felder abzuernten. In Marlen lernten wir eine nette Frau und ihre Töchter kennen. Leider kamen wir erst sehr spät an, sodass wir uns nicht lange unterhalten konnten. Dafür wurden wir am nächsten Morgen mit einem Eimer Gurken, Tomaten und selbst gemachter Marmelade überrascht. Sie hatte ihre Jüngste mitgebracht - Jaqueline. Wir haben die 7-jährige ein Stück mitgenommen. Bei Mama konnten wir auch Strom bekommen, um Winston erneut einen Stollen anzuschweißen. Annerose (die Frau vom Clément) überraschte uns mit ihrem Sohn und Freundin und brachte eine CD mit Bildern vorbei. Wir tranken Tee und dann ging es bei herrlichem Wetter wieder weiter nach Schutterzell. Unterwegs trafen wir echte Wanderer. Das Prärchen war unterwegs nach - äh ich glaube Spanien. Beide voll berufstätig, wurde jeder Urlaub genutz, eine weitere Etappe zu schaffen. Wir fanden einen schönen Parkplatz an der Wassermühle. Das Gelände schien ungenutzt. Riesiges Gras und junge Büsche setzten sich durch. Wasser holten wir aus dem Fluss. Ein idealer Platz. Ein kleiner Wirtschaftsweg führte unweit an unserem Lager vorbei. Am nächsten Morgen machten wir uns zurecht, um in Offenburg zu spielen. Wir fuhren mit dem Rad zur nächsten Stadt, um von dort weiter die Bahn zu nehmen. Ein Passant berichtete uns, dass der Bahnhof schon seit längerer Zeit stillgelegt wurde. So fuhren wir weiter in der Hoffnung eine Bushaltestelle zu finden. Glück gehabt. Wenig später waren wir in Offenburg. Wir schauten uns ein wenig in der Fußgängerzone um. "Mit Offenburg, das wird nicht wirklich was.", meinte Jon. Die Leute bauten Stände auf, alles schien in Vorbereitung auf ein Fest. "Die Leute haben zu viel zu gucken - ich werde übersehen". "Das ist nicht gut"! Jon entschied sich für einen Auftritt - ging so. Dann dampften wir ab. Den Samstag möchte er es lieber in Lahr probieren. Zurück bei den Pferden fanden wir eine Notiz. "Verlassen Sie auf der Stelle und aufgeräumt das Grundstück - Der Eigentümer". Inzwischen war es 18:30. Ich lief mit Fynn zur gegenüberliegenden Mühle, vielleicht haben die eine Wiese für uns frei - dachte ich. Ich sprach mit dem Boss und wie sich herausstellte bekamen wir von ihm den Zettel. (Merkwürdig, warum er sich nicht auf dem Zettel für den Eigentümer ausgegeben hat). Es ärgerte ihn, dass wir ohne zu fragen auf seinem Land parkten. Zudem verpachtete er wahrscheinlich das Land an Jäger, die ihn vermutlich anheuerten was zu unternehmen. Angeblich würden die Pferde das Wild vertreiben oder der Kot oder so. Ich erwiderte, dass nach meiner Erfahrung das Wild eher Probleme mit Menschen hat, als mit Pferden. Natürlich entschuldigte ich mich bei ihm und erwähnte, dass es an dem Tag schon sehr spät gewesen sei und an der Mühle (mit Gastronomie) hätten wir keinen mehr angetroffen.  Ich fragte ihn auch sogleich, ob er ein Stück Land hätte, auf dem wir mit seiner Genehmigung parken könnten (ich hatte die Wiese direkt vor der Mühle im Auge). Er winkte ab und meinte nur soviel : "Wie kommt denn das bei den Gästen rüber ... Zigeunerwagen...". Auf weitere Konversation verzichtete ich. (Übrigens kannte er uns aus der Zeitung).

19:15 Uhr fuhren wir los. Wir fanden zum Glück noch einen Notparkplatz vor dem Dunkelwerden hinter Kürzell, ca. 5 km weiter. Die Pferde stehen auf einem mit Gras überwachsenem Weg - etwas schmall. Der Wagen parkt direkt daneben hinter einem riesigen Maisfeld. Hier sollten wir niemanden stören.
Fynn ist heute mit Jon nach Lahr gefahren und ich schreibe gerade an diesem Tagebuch und schau ab und an nach den Pferden. Nina liegt gerade unter'm Tisch im Wagen. Die Sonne lugt gelegentlich zwischen den Wolken hervor und der Wind umsäuselt die Spitzen der Maispflanzen.




It's raining summer time am Rhein

Die Sonne scheint,
sie scheint so warm,
und vor mir fliegt
ein Bienenschwarm.

Ich leg mich auf die Sonnenliege,
doch da setzt sich
auf mich
ne Fliege.

Ich lass sie krabbeln auf meinem Bauch,
mir geht´s
ja gut,
ich hoff euch auch!

Anni aus'm Netz

Seltz zurück Bulzingen