16.01. 2007 - 27.01. 2008 - von Mundenhof nach Burkheim

16.01. 2008 von Mundenhof nach Wasenweiler, ca. 8 km

Mit Angelika und Betti (ihre Terrierdame) an Bord ging es endlich wieder richtig los. Zunächst fuhren wir noch durch die angrenzende Ortschaft Umkirch. Wir wollten uns noch persönlich bei der netten Bauernfamilie für den Aufenthalt auf ihrer Wiese bedanken. Angelika zeigte uns kleine Wirtschaftswege, auf denen wir sehr ungestört fahren konnten. Eine Steigung lag vor uns, denn wir mussten auf die folgende Landstraße einbiegen. Ich sprang ab und hielt für alle Fälle den Zurückrollstoppklotz in der Hand. Zum Glück, denn die Pferde blieben stehen. Jon führte sie erneut an und dann schafften wir es. Wir fuhren an einer riesigen Reitanlage vorbei. Nina war ganz schön aufgeregt. Sie ist zur Zeit läufig und viele Spaziergänger hatten Hunde dabei. Einer wollte sie sogar nackig sehen und zog ihr glatt die hübsche Warnweste aus.

Kurz vorm Dunkelwerden fanden wir einen Parkplatz am Waldrand auf einem Wiesenweg. Einen Bach gab es 100m entfernt. Abendessen kam heute aus dem Schnellkochtopf. Ein Hahn mußte vom Mundenhof dran glauben. Vor ein paar Tagen durfte Jon ihn selber schlachten.

17.01. 2008 von Wasenweiler nach Breisach (vor Burkheim). ca. 11 km

Mit demselben Team ging es am nächsten Tag gegen Mittag wieder los. Unterwegs kam Lutz. Zusammen machten wir Mittagspause am Baggersee. Die Pferde wurden unter Obstgehölzen eingezäunt. Zum Lunch besuchte uns noch Gunter mit dem Rad aus Burkheim. Er ist der Freund von Angelika. Nach der allgemeinen Stärkung ging es weiter. Ohne Anlauf auf die Straßenauffahrt mußten die Pferde einen kurzen Anstieg überwinden. Lutz und Gunter sperrten die Straße, Jon führte die Pferde vorn, ich lief mit Klotz in der Hand neben dem Vorderrad. Zuerst ging es ein Stück rückwärts um etwas Anlauf zu bekommen. Dann wollten wir mit Schwung hinauf. Fast hatten wir es geschafft, als plötzlich eine dem Anschein nach halb blinde Frau im höheren Alter ihr Fahrzeug vor Lutz nicht gebremst hatte. Lutz sprang aus dem Weg und Jon mußte die Pferde anhalten. Jedoch rollte der Wagen zurück, schleunigst packte ich ein Klotz hinter das Vorderrad, doch der Wagen prallte durch den Schwung mehrmals dagegen. Django drängelte dabei nach rechts, sodass der Klotz vom Vorderrad fast überrollt wurde. Die Frau sollte dringend ihre Augen überprüfen lassen. Manche Kraftfahrer wissen nicht, was eine Unachtsamkeit gegenüber Pferdefuhrwerken alles nach sich ziehen könnte. Leider gibt es immer wieder leichtsinnige Verkehrsteilnehmer. Zum Beispiel beobachtetn wir das öfter vor Ampelkreuzungen. Oft huschen dumme Autofahrer noch sehr knapp vor uns rein, sodass wir gerade noch bremsen können. Angst bekommen die dann erst, wenn die merken, dass die Deichsel erst kurz vor ihrem Kofferraum zum stehen kommt. Der klügere Autofahrer würde uns erst nach der Kreuzung überholen. Beim zweiten Anlauf hatte es dann zum Glück geklappt.

Wir fanden eine schöne Stelle am Baggersee zwischen Burkheim und Breisach. Nach dem Einparken schaute ich mir die Wiese und die angrenzenden Gehölze an. Darunter standen Robinien und Lebensbäume. Die Bäume sind giftig. Wir entschieden uns weitere Parkmöglichkeiten zu suchen. Wasser nahmen wir gleich mit. Es wurde schon dunkel, Jon ließ die Pferde traben. Nach etwa einem Kilometer konnten wir gerade noch eine Brachwiese erkennen. Wir überquerten eine kleine Brücke und dann ging es noch etwa 100m auf dem Wiesenweg entlang. Die Brachwiese grenze an einen Graben, dessen Ufer von Gehölzen bewachsen war. Hinter dem Graben verlief der befestigte Weg von dem wir gekommen sind. Aus der Nähe betrachtet war ein Teil der Wiese gemulcht. Sie machte ganz den Anschein nach einer Stillegung. Der Mulch vom letzten Jahr war noch zu sehen. Ich traute der Wiese nicht, denn sie ähnelte einer anderen Wiese, die wir in Offnadingen sahen und auf der wir auch parken wollten. Dort stellte sich heraus, dass der Bauer die Wiese tot gespritzt hatte, was nun auch hier meine Befürchtung war. Zusammen mit Angelika schauten wir mit Taschenlampe nach, ob junger Unterwuchs zu erkennen war. Zum Teil war dies der Fall. Außerdem hatten wir noch etwas Heu dabei. Wenn die Wiese also nicht dem Geschmack der Pferde entspricht, könnten die dann immer noch Heu fressen. Wir bauten auf. Gunter brachte uns am nächsten morgen Heu vorbei. Mit dem Rad schauten die beiden nach Alternativparkplätzen. Es war Freitag und wir brauchten einen Stellplatz über das Wochenende, denn Samstag wird gespielt. Die Suche blieb erfolglos. Wir mußten also hier bleiben.

18.01. 2008 – 27.01. 2008 Aufenthalt Burkheim

Am nächsten Tag nahm Jon den Zug von Breisach, um über Freiburg in die Innenstadt von Karlsruhe zu fahren. Wir schnappten uns also das Fahrrad und den Kinderwagen. Jon trat kräftig in die Pedalen und ich schwang mich hinten auf den Gepäckträger und hielt den Kinderwagen gut fest. Immerhin waren es drei Kilometer zum Bahnhof. Leider hatten wir gegen einen enormen Gegenwind zu kämpfen. Aller 100m wurde Laufen und Fahrradfahren abgewechselt. Gerade auf die Minute genau schaffte Jon sein Zug. Ich fuhr dann mit dem Rad zurück. Dort erwartete mich bereits Gunter, denn wir hatten ein Frühstücksdate zusammen. Er brachte wieder Heu vorbei und anschließend half er mir noch beim Wasser schleppen. Der Gunter ist ein echt netter Kerl. Die Tage sind jetzt länger hell, das ist sehr angenehm, denn man kann länger draußen etwas tun. Jon kam früher zurück als erwartet. Als er seine Spielsachen in der Fußgängerzone von Karlsruhe auspackte, bemerkte er, dass Kumpel Billy ein Arm gebrochen hatte und zwar so stark, das keine provisorische Reparatur reichte. Der mußte geschweißt werden. Leider waren die ca. sechs Stunden im Zug sitzen also völlig umsonst. Mein armer Schatz!

Der Sonntag wurde genutzt, um Django zu beschlagen. Winston hatte seine Eisen schon. Durch sein extremes Schlürfen kann man ihn ohne Eisen kaum laufen lassen. Deshalb hatte ihn Jon schon am Mundenhof beschlagen. Einen ganzen Tag dauerte die Prozedur.
Gunter erkundigte sich für uns bei Bauern aus seinem Ort nach einer Wiese, auf der wir parken könnten. Am nächsten Tag parkten wir dorthin um. Am gleichen morgen stellte Jon fest, dass Django lahmte. Zum Glück waren nur fünf Kilometer zu fahren. Er mußte da durch, denn wir hatten hier kein Heu mehr. Wir spannten ihn so an, dass er nicht ziehen konnte. Django würde sich lieber umbringen, als nicht ziehen zu dürfen. So kam es, dass er über das Gebiss so stark mitgezogen hatte, dass es die Laufzügel, die ihn bremsten zerfetzt hatte. Wir machten kurzen Prozess und spannten ihn ganz aus. Das Lenken mit nur einem Pferd an der Deichsel wird dadurch zwar erschwert, aber das würden wir schon schaffen. Ich nahm den Clown also bei der Hand und Jon fuhr den Wagen. Winston tat sich etwas schwer alleine anzuziehen. Jon sprang dann ab und führte ihn an. So klappte es gut. Das letzte Stück ging durch einen Wald. Plötzlich eröffnete sich vor uns eine riesige Wiese, die ringsherum von Wald eingeschlossen war. Sie wird von dem Bauern extensiv bewirtschaftet. Wasser holen wir etwa 300m entfernt von einem Fluss. An den kommenden Tagen besuchten uns immer wieder Reiter. Nicht weit von hier befand sich eine größere Reitanlage. Gunter, ist Künstler und zeigte uns seine Ausstellung im Wald. Er baut kleine und große Figuren aus allerlei Materialien. Anschließend schauten wir uns noch das historisch wirkende Dorf Burkheim an. Ein wenig Kultur muss sein!

Beim Abäppeln, kurz bevor die Dämmerung einbrach, kam ein grüner Jeep bis auf die Wiese vorgefahren. Ich lief zu Jon und Gunter herüber, wo der Jeep stoppte. Der Fahrer kurbelte die Fensterscheibe herunter und erkundigte sich ohne Vorworte wie lange wir bleiben würden. So etwa fünf Tage erwiderten wir. Der Django muss erst wieder auf allen „Viern“ auftreten können. Es stellte sich heraus, dass er der Jagdpächter dieses Geländes sei. Das passte ihm gar nicht, dass wir hier parkten. Wir erwähnten weiterhin, dass wir das Einverständnis des Pächters hätten, was ihm jedoch piepegal war. Er drohte sogar mit der Polizei, die am folgenden Tag vorbei kommen würde. Unsere Erfahrung nach ist das Einverständnis des Eigentümers bzw. des Pächters relevant und nicht die Meinung eines verärgerten, griesgrämigen Jägers. Mit der Polizei hatten wir bisher gute Erfahrungen. Also lieber mit denen reden und auf sinnlose Dialoge mit dem Jäger verzichten. Am nächsten Tag traf die Polizei bei uns ein. Sie kontrollierten unsere Pässe und fragten uns nach den Umständen. Wir erklärten das mit Django und das wir eine Parkerlaubnis hätten. Die Kollegen waren sehr nett und fuhren wieder davon.

Am Freitag besuchte uns der Waldkindergarten. Die vorwiegend fünf- und sechsjährigen waren sehr begeistert von unseren großen, schweren Pferden. Jon gab ihnen eine Extravorstellung wie man die riesigen Hufe auskratzt. Mutige Kinder durften auch selber Hand anlegen. Die Erzieherinnen hatten sämtliche Überredungskünste ausnützen müssen, um die Kinder zum Abschied bewegen zu können. Es wurde schon dunkel und wir wollten noch Lebensmittel einkaufen. Gunter meinte, es wären nur fünf Kilometer dem Rhein folgend nach Breisach. Ich blieb am Wagen, um meinen Magen zu schonen. Seit einiger Zeit schon litt ich unter Magenbeschwerden. Jon machte sich mit dem Rad auf den Weg. Es dauerte fast drei Stunden, bis er erschöpft querfeldein über die Wiese nach Hause kam. Jon schätzte eine Strecke auf mindestens acht Kilometer. So waren also 16 Kilometer zurückzulegen nur um Lebensmittel zu besorgen. Ganz schön viel! Dieser Parkplatz hatte so seine Nachteile. Sieht zwar super romantisch aus, ist sehr ruhig, die Pferde hatten gut zu futtern – jedoch keine Internetverbindung, kein Supermarkt in der Nähe, kein Bahnhof, um am Wochenende zum Spielen nach Karlsruhe zu fahren und jede Menge Zecken.

Am Samstag musste Jon früh aufstehen, denn nur dieser eine Zug fuhr in die gewünschte Richtung. Leider blieb der Rückweg noch ungeklärt, weil ab Breisach so spät keine Züge mehr Richtung Burkheim fahren. Zur Not müßte mein Schatz also ein Taxi nehmen. Heute hatte ich eine Reitverabredung mit der Familie Müller aus dem Dorf. Schon seit 15 Jahren haben sie ein Pflegepferd, mit dem Status wie ein eigenes. Die ältere Tochter Yasmin und die Mutter Christina kreuzten vor ein paar Tagen mit ihrem Pflegepferd Astro rein zufällig unseren Parkplatz. Astro sieht aus wie der Zwillingsbruder von Django – ein Boulonnaistyp. Das war das erste Mal, das wir ein so ähnliches Pferd wie Django sahen. Sofort verstanden wir uns alle prima und philosophierten über unsere Pferde. Für das Wochenende verabredeten wir einen Ausritt – drei Mädels und drei Pferde. Isabelle, die jüngere Schwester ritt zuerst auf Winston. Yasmin saß auf Astro und ich ritt Django. Die beiden Schimmel verstanden sich sofort super. Beni, der Freund von Isabelle, fuhr mit dem Fahrrad nebenher und fotografierte fleißig. Wir starteten gegen 14.00 Uhr. Es war sehr neblig an diesem Tag, obwohl ausgerechnet die Tage zuvor immer sonnig waren. Egal, denn auf dem Rücken eines Pferdes fühlt man sich trotz Nebel pudelwohl. Wir ritten den Rheindeich entlang. Am Fuße des Kaiserstuhls vorbei, Besuch des Elternhauses in Burkheim, zwischen Gärten hindurch und ein kurzes Stück durch den Wald zurück zum Wagen. Unterwegs lieferten wir Astro in seinem Stall ab. Die Kalten bekamen noch ihre Decken übergeworfen und wurden anschließend in die Koppelfreiheit entlassen. Es war ein sehr schöner Ritt. Später kam die Familie Müller noch einmal mit dem Auto vorbei gefahren und brachten Leckerlies für Mensch und Pferd. Im Gespräch erwähnte ich den Umstand mit den Zügen und dass Jon wahrscheinlich ein Taxi von Breisach aus nehmen müßte. Sie zögerten nicht lange und boten sofort ihre Hilfe an. Gesagt getan, mein Schatzi wurde gegen 20.00 Uhr mit dem Auto vom Bahnhof Riegel abgeholt. Wir bekamen sogar noch eine Einladung zum Mittagessen am Sonntag. Gerade unterwegs zur Einladung fuhr im Wald die Polizei an uns vorbei. Hmm, wir drehten um, denn die können doch nur zu uns wollen. So war es dann auch. Die Polizisten kamen vom gleichen Revier, wie die Kollegen zuvor, nur leider eine andere Schicht. Der Jäger konnte seinen Argwohn über uns wohl schlecht verarbeiten. Es spielte sich die gleiche Prozedur ab: Pässe, Erklärung, Abschied. Das Essen ließ den kurzen Stress wieder vergessen. Es war himmlisch. Die regionalen Spezialitäten ließen wir uns schmecken. Zurück am Wagen besuchte uns Angelika vom Mundenhof mit ein paar Freunden. Am nächsten Tag hatten wir vor zu fahren. Später kamen noch einmal die Familie Müller vorbei, deren Kinder sich schon von uns verabschieden mussten. Montag ruft wieder ihr Studium.


!!!Unbedingt durchlesen und reagieren!!!

Übrigens wurde Jon von einem Typ vom Ordnungsamt in der Innenstadt von Freiburg verjagd. Er begründete das damit, dass Trommeln und Schlagzeug spielen verboten wäre. Wir erwiderten, dass es nur von einer Puppe gespielt wird und das das gesamte Schlagzeug ein Kinderschlagzeug wäre. Die mit Seilen wie eine Marionette zu bedienende Puppe könnte niemals so stark auf die Trommeln schlagen wie ein Mensch! Doch alles diskutieren half nicht - angeblich möchte das die Stadt nicht - laut Ordnungsamt, obwohl immer viele Zuschauer Jon's Show anschauen. Wenn nicht die Zuschauer, wer ist dann die Stadt??? Er hat uns zum Stadthaus geschickt damit wir probieren sollten eine Sondernutzungserlaubnis zu bekommen. Wir gingen also zum Stadthaus, sprachen vor doch mit dem selben Ergebnis. Warum gibt es Sondernutzungserlaubnisse, wenn keine vergeben werden??? Die Tendenz ist leider so, das Wandermusikanten eines Tages vom Musizieren in den Städten nicht mehr ihr Überleben finanzieren können. Die ganzen Instrumentverbote und spezielle Regeln wie Ort und Zeit wann gespielt werden darf vertreiben die bunte Musik von Musikanten verschiedener Länder. Zum Schluss bleiben dann vielleicht noch die Akkordeonspieler, die dann irgendwann aber auch keiner mehr anhören kann. 

Leider telefoniert kein Bürger mit der Stadt, der Straßenmusik gut findet. Wenn, dann werden also immer Beschwerden mitgeteilt. Doch das Verhältnis zwischen Freude und Beschwerde über Straßenmusik liegt ohne zu übertreiben weit aus mehr bei der Freude.

Jon mußte demzufolge täglich mehr als 5 Stunden im Zug verbringen, nur um nach Karlsruhe zu kommen, um dort Musik zu spielen!

Unser Vorschlag: bitte schreibt doch eine Mail an den Bürgermeister von Freiburg, wie toll ihr Straßenmusik findet und das ihr es bedauert, das Jon mit seiner Marionette nicht mehr in Freiburg auftreten darf. 

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