12.02. 2008 - 02.05. 2008 - von Lichtenau nach Sandweier

12.02. 08 von Lichtenau nach Stollhofen, ca. 10 km

Am selben Morgen hielten wir noch beim Baumarkt. Es wurden dringend ein neuer Schlauch und ein Rückschlagventil für unsere Trinkwassereinrichtung benötigt. Die Mitarbeiterinnen vom Baumarkt fotografierten uns begeistert. Trinkwasser haben wir bei der Gelegenheit gleich mit aufgefüllt. Anschließend ging es noch in den benachbarten Supermarkt. Als es wieder los ging hatten wir es inzwischen 15:00 Uhr. Das Wetter war auf unserer Seite. Die Sonne strahlte den Wagen von hinten an. Plötzlich bemerkten wir, dass wir uns verfahren hatten. Verdammt – und wieder 2 km zurück. Dieser Weg endete in einem Wald und war zudem blöder Weise für Fuhrwerke gesperrt. Später nahm ich die Leinen in die Hand, damit Jon mit dem Rad einen Parkplatz suchen konnte. Wir verabredeten uns auf einem Parkplatz vorm Freizeitpark in Stollhofen. Ich hielt dem Wagen auf dem Parkplatz der mit Gras überwachsen war und wartete auf Jon. Etwa einen halben Kilometer weiter hinter einer Firma fand er eine brachliegende Acker-Wiesenfläche. Wir bogen von der Straße ab auf einem mit Obstbäumen gesäumten, sehr huckeligen Feldweg ein. Rechts neben uns war ein kleiner Fluss. Die Ufergehölze wurden tagsüber mit schweren Machinen und der Motorsäge bearbeitet. Es war gegen Abend und alle Waldarbeiter hatten bereits Feierabend gemacht. In Ruhe richteten wir uns ein.

13.02. 08 von Stollhofen nach Kartung, ca. 6 km

Am nächsten Morgen weckte uns der Lärm der Waldarbeiter – jedoch schien sich niemand für uns auch nur die Bohne zu interessieren. Wir packten zusammen und verließen gegen Mittag das Gelände. Bei schönem Wetter ging es entlang kleiner Nebenstraßen Richtung der Ortschaften, die einen Bahnhof besaßen. Das Wochenende stand vor der Tür und, wer hat schon Lust von irgendwo in der Pampa aufwendig mit dem Fahrrad zum Bahnhof zu fahren, um dann noch den Zug zur nächst größeren Stadt zu nehmen? Jon jedenfalls nicht. Ganz planmäßig steuerten wir Oos an. Leider sah es trotz kleiner Straßen links und rechts des Weges gar nicht nach Parkgelegenheiten aus. Jedes Krümel Land wurde noch irgendwie genutzt. Als ich einen Aussiedlerhof erspähte, der anscheinend eine Schafherde eingekoppelt vor dem Hofgelände besaß, sprang ich vom Wagen und fragte den Hofeigentümer nach einer Parkmöglichkeit für das Wochenende. Super, nach wenigen Zögern zeigte er auf die Wiesenfläche gleich neben der Anliegerstraße. Wir schwätzten noch ein Weilchen und parkten den Wagen. Der Boden war hier sehr weich. Am Abend machten Schatzi und ich noch einen schönen Spaziergang zum Bahnhof Baden Baden. Er wollte die Strecke schon im Kopf haben bevor er den nächsten Tag spielen fährt. Auf dem Rückweg konnten wir unseren Augenkaum trauen, als wir in einer Offenstallhaltung einen prächtigen Ardenner entdeckten. Leider war kein Ansprechpartner mehr vor Ort.

Schon am Tag darauf hatten die Pferde das ganze Gras weggefuttert. So koppelte ich die Vierbeiner auch unter den Äpfelbäumen ein. Das reichte bis zum Abend. Ein paar Notballen Heu hatten wir ja auch noch dabei. Der Eigentümer brachte uns öfter Bananen vorbei. Sie bekommen mehrmals eine Ladung Gemüse von Supermärkten, das nicht mehr gebraucht wird und füttern es dann den Schafen. Nach der Schule spielten die Kinder vom Hof Fange mit den jungen Lämmern. Komischer Weise traute sich niemand von ihnen herüber zu kommen. Auch nicht an den darauffolgenden Tagen. Eigentlich können sich Kinder von uns gar nicht trennen. Hier war es andersherum. Nachmittags ging ich noch einmal zur Ardennerkoppel und sah schon aus der Ferne Autos vorm Paddock parken. Neugierig schaute ich um die Ecke und tatsächlich zwei Mädels waren gerade dabei ihre Pferde zu satteln. Freudig begrüßten wir uns und sogleich erzählte ich unsere Geschichte, das wir auch einen Ardenner haben und für kurze Zeit Nachbarn wären. Nach ihrem Ausritt kamen mich die zwei am Wagen besuchen. Wir Schwätzen bis Einbruch der Dunkelheit. Sie gaben wir noch die Nummer von der Mitbesitzerin des Ardenners. Am Morgen der Abreise erwischte ich sie auch am Telefon. Petra hatte dann noch vor uns besuchen zu kommen. Bei der Familie vom Parkplatz konnten wir noch unsere Reifen mittels Kompressor voll mit Luft tanken. Das Wetter war sonnig, wie auch die Stimmung aller Leute. Freundlich winkten sie uns zum Abschied und ein Mädel fuhr noch bis zur nächsten Kreuzung auf dem Kutschbock mit.

17.02. 08 von Kartung nach Kuppenheim – Schloss Favorite, ca. 7km

Petra organisierte für uns einen Parkplatz auf einem Pachtgelände von Freunden von ihr. Sie überholte uns kurz vorher und wir brauchten ihr nur noch zu folgen. Der Wagen stoppte vor dem riesig umzäunten Gelände. Die Fläche wurde das letzte Jahr nicht gemäht. Die kanadische Goldrute setzte sich durch und schien alles zu überwuchern. Für den Zaun wurde extra ein Pfad gebaut, damit die Elektrik auch einen Sinn machte. Ganz in der Nähe des Geländes zeigte uns Petra noch die Wasserstelle. Sie erklärte uns dass das Wasser direkt von einer Quelle aus den Bergen kommt. Vor zwei Jahren ließ sich es im Labor untersuchen mit dem Ergebnis Trinkwasserqualität. Abgekocht konnten wir es also auch trinken. Viele Bachflohkrebse fühlten sich darin wohl. Sie versteckten sich oft in Kalkstein versteinerte hohle Ästchen. Die Pferde naschten sogar die vertrockneten Blüten der Goldrute.

Wir erzählten Petra von unserem Vorhaben Pferde auszubilden, um sie dann geritten und gefahren wieder zu verkaufen. Ardenner sollten es wenn möglich sein, da unser Winston uns immer wieder von seiner Leistung und seinem braven Charakter aufs Neue überzeugt. Petra kennt ihre Pferdefreunde aus der Umgebung und wollte sich für uns mal umhorchen. In Frankreich hatte sie einige Adressen ausfindig machen können. Zusammen fuhren wir in ihrem kleinen Polo dorthin. Alle Ardenner die wir in Frankreich anschauten waren alle nicht das Nonplusultra oder waren wieder zu teuer. Eines Tages klingelte das Telefon. An der anderen Leitung erzählte uns Petra aufgeregt von einer Familie in Frankreich, die zwei Comtois Stuten verkaufen wollten. Von denen hatten wir vorher noch nie was gehört. Gleich machten wir uns in einem Buch schlau. Mittelgroße Kaltblüter, im Fuchskleid mit weißer Mähne. Wir schauten uns die Pferde an. Die Haltung war ok, die beiden waren gut drauf und gesund. Mit den Worten „wir melden uns dann telefonisch“ verabschiedeten wir uns von den netten Pferdebesitzern. Fortan gingen uns die Mädels nicht mehr aus dem Kopf. Es wurde viel telefoniert – ich mit Petra, Petra mit den Franzosen. Einige Male besuchten wir die Mädels noch und entschlossen uns dann doch für den Kauf. Petra organisierte Zugmaschine und Anhänger. Nach einigem Zögern hatten wir sie dann ganz in Ruhe in den Pferdetransporter bekommen. Die Kutsche, die die Mama der Mädels zog, haben wir gleich dazu bekommen. Supertoll, denn die können wir für's Training gut gebrauchen. Fortan regnete es tagein tagaus und immer wieder verzögerte sich dadurch die Ausbildung der Pferde. Spazierengehen, Longieren, Fuß hochheben und Pferdedecke anziehen waren die ersten Übungen gefolgt von Trensen und Satteln. Aus Satteln wurde dann Geschirr anziehen und an langen Seitenblättern einen Holzklotz hinterher ziehen bis hin zum einspännigen Kutscheziehen. Anfangs lief Jon noch neben der Kutsche her und ich vor dem Pferd vorne weg. Ich zeigte sozusagen den Weg, so war das Lenken einfacher. Dann tat ich so als würde ich nebenher laufen und die Leinen halten und Jon sprang heimlich mit den Leinen auf den Kutschbock. Zugegeben dieser Schritt ist gar nicht so einfach. Für ein Pferd ist es ein riesen Unterschied, ob man nebenher läuft, oder plötzlich hinter diesem auf dem Wagen hockt. Nachdem beide gut einspännig zogen, spannten sie wir zusammen an. Die Aufregung war groß. Ich lenkte beide Pferde vorn an der Kutsche mit Brot solange ab, bis Jon sie komplett angespannt hatte. Dann ging es los, natürlich erst einmal auf den großen Acker. Zu unserem Erstaunen klappte alles wie im Bilderbuch. Nach ein paar Minuten fuhr er auch schon auf der Nebenstraße vorbei an den parkenden Autos. Um die Mädels nicht zu überfordern kehrten wir Heim, lobten sie fleißig und spannten mit viel Brot und Geduld wieder aus. Wir waren irre stolz auf die zwei. Bei schönen Wetterlücken ging es die nächsten Tage im Gespann auf asphaltierte Nebenwege. Später fuhren wir dann schon normale Landstraßen und erledigten mit den beiden den Supermarkteinkauf. Das Reiten kam auch nicht zu kurz. Lutz war uns eine große Hilfe für das “erste Mal“. Beide trotteten brav hinter Jon hinterher. Das zweite Mal ging es dann schon ins Gelände eine ganze Stunde. Kurze Trabstrecken konnten wir den Mädels entlocken. Wieder waren sie ganz aufmerksam und brav bei der Sache.

Das Wetter spielte immer noch verrückt. Im April hatte es sogar noch in riesigen Flocken geschneit. Unser Ofen mußte schwer schufften. Die Paddocks verwandelten sich in Schlammkuhlen. Jon hatte vor der Regenzeit den Mädels noch einen Unterstand aus einer riesigen LKW-Plane von der Petra gebaut. Die Jungs bekamen dafür die Jacken angezogen. Petra sorgte in nahezu militärischer Disziplin immer für ausreichend Heu. Wir haben ein riesen Glück gehabt sie kennenzulernen. Bei trüben Regentagen holte sie uns spontan mit Hund Benni und ihrem Polo vom Wagen ab. Wir machten uns dann zusammen einen trockenen gemütlichen Abend bei ihr in der Wohnung. Ihre Waschmaschine und Dusche hatten auch soviel zu tun wie nie zuvor.

Gleich nach dem ersten Tag unserer Ankunft erkundigte sich der Jagdpächter, ob wir hier eine Genehmigung zum Verweilen hätten. Die hatten wir ja auch, denn der Freund von der Petra war der Pächter des umzäunten Geländes. Daraufhin fragte er noch wie lange wir bleiben würden und wir erwiderten, dass wir neue Pferde ausbilden wollten und dafür etwa drei Wochen benötigen würden. Eines Tages besuchte er uns nach dieser Zeit noch einmal. Sichtlich erzürnt teilte er uns sein Argwohn über uns mit, warum wir noch nicht längst verschwunden waren. Ich erwiderte, dass es das Wetter nicht zuließ. Ohne Verständnis argumentierte er, dass durch uns die Rehe verscheucht würden, was zu mehr Verkehrsopfern führen würde. Ich glaube die Rehe rennen eher panisch aus Angst vor Schüssen auf die Straße, als vor eingekoppelten Pferden und parkenden Kutschen. Außerdem blieb Nina die ganze Zeit am Wagen und das Gelände war ja sowieso umzäunt. Zwischen uns und Straße lag auch noch ein breiter Waldstreifen. Er erwähnte außerdem, dass in dem Gelände durch die ehemals wuchernde Golrdrute, Rehe ihre Ruhe finden würden und nun alles zerstört sei. Das mag wohl war sein, aber der Pächter hatte eh vor eine Pferdekoppel daraus zu machen und seit wann schreibt Jäger dem Grundstückspächter vor, was er mit seinem Land machen kann und was nicht?! Außerdem wurde das Stück Land früher sogar als Baumschule genutzt und lag sonst nie so brach. Nur weil einmal nicht gemäht wurde denkt der Jäger gleich, dass keine Nutzung mehr stattfinden darf. Das ist definitiv ein Irrtum. Das Ergebnis des Gespräches war, dass keiner sich vom Gegenüber überzeugen ließ und nach der letzten Frage vom Jäger, wann wir denn nun endlich wieder Weiterziehen würden, konnte ich auch nur erwidern, nur dann, wenn die neuen Pferde die Kutsche sicher auf der Straße ziehen. Damit war er nicht zufrieden, weil ich ihm keine Zeit sagen konnte. Ich vermied es extra einen Zeitpunkt zu erwähnen, denn Petrus bestimmt immer noch selbst über das Wetter. Noch verägerter als vorher verließ er uns dann. Ungefähr zwei Wochen später konnten wir endlich dem Schlamm Lebewohl sagen. Der Jäger ließ sich auch nicht noch einmal blicken.

27.04.08 von Kuppenheim (Schloss Favorite) nach Haueneberstein, ca. 4 km

Am Morgen kam Petra vorbei, um die von uns ausgeborgten Sachen wieder zu holen. Der Polo wurde mit Anhänger vorm Tor geparkt. Das Wetter war super. Alle Pferde konnten zum Frühstück das satte Grün der Nachbarwiese naschen. Während Jon das Eisen an Winston befestigte baute ich die Koppeln ab. Die Zeit raste flugs davon. Plötzlich war es schon 17.00 Uhr als wir mit dem Anspannen anfingen. Erst die Jungs, denn die können geduldig im Geschirr vor dem schweren Wagen warten. Die Mädels hielt ich am Kopf fest und Jon tanzte den Anspanntanz. Bei den Mädels muss man aufpassen, dass man nicht so „ruckizucki“ anspannt. Das heißt also das Geschirr sachte aufs Pferd legen und nicht wie bei den Jungs die Leinen kreuz und quer über die Rücken werfen. Mädels fertig mit Jon als Fahrer und ich eilte zu den „Alten“ spannte die Seitenblätter ein, löste den Anbinder, entfernte den Klotz, stieg auf und rief „Allez“. Meine Hottes jedoch zogen scherenartig an, das heißt erst einer und dann der andere, während der „einer“ schon wieder aufhörte. Ich kam keinen Meter weiter, sprang vom Wagen und führte die Pferde an. Es klappte! Django kapiert die Teamwork noch nicht ganz, sein Ehrgeiz ist zu ausgeprägt. An der Kreuzung wurde auf eine stark befahrene Landstraße eingebogen. Zum Glück war es Sonntag, so blieben wenigstens die LKW's aus. Die Jungs liefen flott im Schritt vorran. Jon's Abstand vergrößerte sich. Im Rückspiegel konnte ich ihn öfter beobachten, war ja selbst neugierig wie die Mädels mit dem Verkehr auskommen würden. Nach vier Kilometern waren wir schon am Ziel. Mehr hätten es auch nicht sein dürfen, da wir ja erst so spät los gekommen sind. Petra gab uns den Tip für die neue Wiese. Hinter einer Hecke versteckt parkten wir die Wägen. Die Mädels machten ihre Sache prima, nur das Warten vor Kreuzungen bedarf noch etwas Übung. Der Polo mußte auch schon wieder schufften, denn Petra gönnte uns den Luxus eines Wasserwagens. So mussten wir nicht einmal anhalten, um Wasser zu holen. Geschwind waren alle Pferde nackig und die Koppel aufgebaut. Jedes Pferd bekam seinen eigenen Paddock. Die sollen nachts zur Ruhe kommen und sich nicht noch gegenseitig nerven. Außerdem können wir dann auch ruhiger schlafen, denn die Ausbruchsgefahr ist in getrennten Ferchen geringer.

Während ich am nächsten Tag mit dem Rad Lebensmittel besorgte, verfeinerte Jon das Geschirr. Ein Bauer vom Nachbarfeld besuchte ihn. Er meinte, dass sogar die angrenzende Wiese nur gemulcht würde. Super, denn so war für die kommende Nacht auch noch genug Gras da. Wider Erwarten benötigt man doch eine riesige Grasfläche, um vier Pferde satt zu bekommen.

29.04. 08 von Haueneberstein bis kurz vor Sandweier, ca. 3 km

In der Nacht regnete es kräftig. Der Paddock der Mädels war an einer Stelle deutlich zertreten. Ein Grund um Aufzubrechen, nicht das noch mehr Schaden entsteht. Gegen 16.00 Uhr waren alle Pferde angespannt. Unsere Routine beim Anspannen lief gut. Zuerst also immer die Jungs, die dann warten können. Beim Anziehen der Jungs wieder das gleiche Spektakel wie beim letzten Mal. Wenn es etwas schwer geht, gibt Django gleich auf und wird nervös. Bevor er also noch nervöser wurde, habe ich beide Pferde erneut angeführt. Das klappt in fast 100 Prozent der Fälle. Heute ging es über eine stark befahrene Bahnschienbrücke. Die Brücke war das Nadelöhr zum Autobahnzubringer und nach Rastatt. Zwei LKW's fuhren langsam direkt hintereinander an Winston vorbei, dabei machte er einen Satz nach vorn. Wie gut, es ging sowieso bergauf, der Wagen war eh schwer und Django hat als äußeres Pferd die Ruhe bewahrt. Im Schritt ging es die Brücke hinauf bis zur nächsten Ampelkreuzung. Nina saß bei Rot gehorsam neben dem Wagen. Dann kamen wir als Abbieger endlich auf eine ruhigere Straße. Die Mädels folgten. Jon war mit ihnen erneut zufrieden. Wir hielten vor der gemulchten Wiese, die ich mit Petra schon vorher erkundet hatte. Nachdem ich die Jungs sicherte half ich bei den Mädels. Sie wurden mit Kutsche am Baum festgebunden. Ein Klotz sicherte das Hinterrad. Als wir uns von ihnen entfernten machten sie doch einen Schritt nach vorn und die Kutsche rollte über den Klotz, dabei erschraken sie und ihre Anbinder waren stramm gespannt. Ich rannte sofort hin, um sie zu beruhigen. Jon löste die Anbinder und wir führten die Mädels noch angespannt an der Kutsche auf den Kutschenparkplatz und spannten sie sogleich aus. Bei Quinette's Geschirr wurde dabei etwas zerrissen. Anschließend haben wir sie ohne Wagen am Baum festgebunden. Nun konnten wir die Koppel aufbauen, dann die Jungs ausziehen und alle Pferde in Frieden grasen lassen. Als wir hier ankamen, hielt ein Traktorfahrer an und erkundigte sich über unser Vorhaben. „Wenn niemand etwas dagegen hätte, würden wir gern eine kleine Pause mit den Pferden machen „, sagte ich zu ihm. Er deutete auf eine Grenze inmitten der Wiese. Die eine Seite (auf der wir parkten) wird nur gemulcht, die andere Hälfte ist eine Heuwiese, da dürfen wir nicht drauf. Alles klar, unsere Seite war eh ausreichend genug für vier Pferde und drei Nächte. Danach besuchte uns noch der Eigentümer, der auch nichts gegen unseren Aufenthalt hatte, wenn wir den Platz wieder ordentlich verlassen würden. Ich versicherte es ihm und bedankte mich für die Erlaubnis. Der Traktorfahrer hatte ihm Bescheid gesagt. Mit ruhigem Gewissen wuselten wir weiter. Am nächsten Morgen parkte ein Auto vorm Wagen und es klopfte jemand an. Jon stürzte aus dem Bett und warf sich noch mit halb geschlossenen Augen irgendein Kleidungsstück über. Der Fremde stellte sich als Jagdpächter vor und fragte, ob wir eine Genehmigung hätten. Mit überzeugt klingendem Unterton bestätigten wir, dass wir eine Genehmigung hatten. Unüberzeugt erwähnte er, dass dies angeblich nicht ginge, und das was wir machen wohl verboten wäre. Hä? Unseres Wissens ist es nicht verboten auf Privat- bzw. Pachtland mit Genehmigung des Eigentümers/Pächters zu verweilen. Die Pferde fressen lediglich das Gras etwas kürzer. Was, wenn der Eigentümer/Besitzer eine Pferdekoppel daraus gemacht hätte? Lass sie nur reden die Jäger, nicht selten erfinden die viel, wenn es gegen ihren Strich geht. Der Parkplatz lag unweit eines Naturschutzgebietes. Man konnte uns von der Landstraße aus gut einsehen. Das Gebiet war eine Art Senke, deren Wiese in der Mitte von Gehölzstreifen eingefasst wurde.

02.05.08 von kurz vor Sandweier bis Sportplatz Sandweier, ca. 3 km

Der Tag wurde ruhig gestartet. Wir hatten es ja nicht eilig los zu kommen. Mit dem Fahrrad hatte ich schon einige Tage zuvor nach Parkplätzen in der Umgebung gesucht. Ich wußte also, wo wir als nächstes hin wollten. Die Pferde hatten inzwischen das leckere Gras weggefuttert. Vor dem gestrigen Abend machten wir uns noch mit Sense und Anhänger auf dem Weg zu einer satten Grünfläche unter alten Bäumen. Ein Traktor würde hier nicht durchkommen. Es sah ganz nach einer Restfläche aus, die durch die Wegeführung und der alten Bäume übrig blieb. Jon senste drauf los und ich harkte alles zusammen. Zwei ganze Ladungen haben wir den Pferden verfüttert. Bei Sonnenschein setzten wir unsere Fahrt fort. Wieder sicherte ich die Jungs und wir spannten dann zusammen die Mädels aus. Nachdem wir sie an der kleinen Kutsche festgebunden hatten bauten wir die Koppel auf. Diese lag in der Nähe des Sportplatzes unter einer Stromleitung. Hier wurde früher Erde hingefahren, die inzwischen satt mit Grün überwachsen war. Das kleinhügelige Gelände, das dichte Gras und die riesigen Einzelpaddocks animierten Quinett vor Freude zum Toben. Django mußte vor Feierabend noch einmal ran zum Wasserholen. Der protestierte kräftige dagegen und stieg beim Lenken in die entgegengesetzte Richtung kerzengerade nach oben. Nach dem Motto „probieren geht über studieren“ teilte er uns seine Meinung deutlich mit. Jon schimpfte mit ihm und führte ihn dann in die gewünschte Richtung. Django blieb keine andere Wahl und zog widerwillig die Kutsche zum ca. 200m entfernten Fluß. Während der Fahrt brüllte er ständig. Wahrscheinlich lugten die Anwohner schon hinter den Gardinen hervor. Zum Glück hatte die Brücke am Wasser ein stabiles Geländer an dem wir Django sicher festbinden konnten. Trotzdem tänzelte er noch auf der Stelle und brüllte unaufhörlich weiter. Endlich waren wir wieder zurück bei den Pferden. Doch dann wurde die Tour noch verlängert, da sich ein Interessent für die Mädels angekündigt hatte. Wir holten ihn mit Django von der Hauptstraße ab. Der Wagen folgte uns zu den Pferden. Der nervige Gaul wurde sofort in seine Freizeit entlassen. Drei Leute stiegen aus dem Fahrzeug. Sie waren sehr freundlich und erzählten uns weshalb sie auf der Suche nach noch einem Pferd waren. Zwei ältere Pferde von insgesamt drei waren dem Besitzer leider gestorben. Im Moment bauen die drei Freunde an einem Planwagen (Kremser), zu dem das übrige Pferd im Gespann noch Unterstützung bräuchte. Leider verkaufen wir aber die Mädels nur zusammen, sodass sie ohne Erfolg aber mit großen Interesse an unserer Art des Reisens wieder heimgefahren sind. Dennoch boten sie uns sogar einen Parkplatz an, da unser zukünftiger Weg das Dorf beinahe streifen wird.





Königin der Nacht

Nachtigall vertrautes Wesen
das Laub ist dein Revier,
dein ist der lichte Auenwald
dem Frühling bist du Zier.
 
Unscheinbar dein Federkleid
oben rotbraun unten grau,
jede Nacht dein Lied erklingt
auch wenn sie noch kalt und rau.
 
Oft schon in der Dämmerung
erschallt dein lieblich Sang,
in deinen süßen Liedern liegt
der Unendlichkeiten Klang.
 
Niemals schwingt Ermüdung
in deiner holden Stimme Pracht,
zu Recht trägst du den Namen:
"Königin der Nacht".

von Elfriede Maria Schönbichler
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