22.10. - 03.11. - von Kirchen-Hausen nach Istein

Von Kirchen-Hausen über die Schweiz zurück nach Deutschland (22.10. - 04.11.)



22.10. 07 – von Kirchen-Hausen nach Aulfingen, ca. 2 km

Sonntag, ein Tag bevor wir abfahren wollten, bekamen wir Besuch von Familie Martin aus Bulzingen, von den Schweitzern (meine Cousine mit Familie) und von Familie Deutschbein. Wir füllten unsere Bäuche mit Tee und Gebäck.

Bis 17:00 Uhr am folgenden Montag verbrachten wir damit unsere Sachen einzuräumen, Koppel abzuäppeln, Stollen an Django's Eisen zu schweizen, Pferde zu striegeln & anzuschirren und uns von unsere netten Gastgeberfamilie Bächle zu verabschieden. Wir wussten, dass wir nicht weit kommen würden. So war es dann auch. Zirka drei Kilometer weiter schlugen wir das Nachtlager auf – kurz hinterm Nachbarort am Rande eines Sportplatzes. Hier war es unheimlich windig. Flugs hatte Jon das Windrad angebracht (das wird bei jeder Fahrt abmontiert, denn wenn nicht, vergessen wir das es da ist und rammeln es uns ab). Die gefühlte Temperatur schwang um Null. Nach dem Abendbrot bekamen die Pferde ihre regen- und winddichten Jacken angezogen. Der Ofen heitze den Wagen und wir verkrochen uns nach drinnen, wo es schön gemütlich war.

23.10. 07 – von Aulfingen nach Fützen, ca. 14 km

Mit voller Batterie ging es am nächsten Tag gegen Mittag Richtung Freiburg. Das heißt also südwärts Richtung Rhein, denn die Berge wollten wir nicht noch einmal passieren. Von 700 Höhenmeter ging es nun abwärts. Das letzte Drittel so richtig heftig. Wir standen permanent auf der Bremse und nach einer dreiviertel Stunde hatten die Pferde auch kein Bock mehr. Die ganze Zeit den Wagen mitbremsen ist für die zwei auch ganz schön anstrengend. Der Verkehr hinter uns staute sich ein wenig – es hielt sich jedoch in Grenzen. Wir nutzten die Gelegenheit einer Nische und gönnten Pferden und Bremse eine Pause. Jon hielt derweil mit dem Rad Ausschau nach einer Parkmöglichkeit. Es würde bald dunkel sein, die Autos hatten auch schon Licht an. Zirka 500 m weiter übernachteten wir auf einer Feuchtwiese zwischen Bundesstraße und Waldrand ohne Wind und mit wärmerer Nase. Ein kleiner Bach begrenzte den Pferdezaun zur Böschung der Bundesstraße.

24.10. 07 – von Fützen nach Stühlingen, ca. 12 km

Anfangs ging es wieder nur bergab mit der Zeit war es jedoch nicht mehr so steil. Wir kamen von einer Nebenstraße und wollten gerade außerorts auf die Bundesstraße abbiegen, da legte sich unser Django so ins Geschirr, dass das Leder vom Seitenblatt riss. Winston zog den Wagen in seiner geduldigen Ruhe an den Seitenstreifen. Wir mussten schleunigst runter von der stark befahrenen Straße. Schnell Pferde abspannen und an einen Baum gebunden. Hinter dem Wagen war eine kleine Zufahrt. Jedoch lag noch eine Miniabflussrinne dazwischen. Wir schoben die Deichsel hin und her und der Wagen rollte etwas rückwärts. Es war sehr heikel, denn der Wagen kippte stark auf eine Seite. Jon packte einen Klotz in die Abflussrinne, sodass das Vorderrad darüber rollen sollte. Wie schafften es jedoch nicht mehr den Wagen zu bewegen. Winston musste rann. Beim zweiten Anziehen – Göttin sei Dank – zog er den Wagen Kraft seiner Muskeln weg von der Straße. Django bekam eine Kette als Seitenblatt und unser Wagen noch eine Rundumleuchte am Hinterteil. Die Kaltblüter hatten früher ausschließlich Ketten als Seitenblätter (wohl nicht ohne Grund). Während der Aktion wurde auch die Polizei aufmerksam und hielt hinter unserem Wagen. Sie erkundigten sich, ob sie helfen könnten und stellten außerdem ein paar neugierige Fragen. Sie wünschten uns viel Glück auf unserer weiteren Reise nach Freiburg.
Es ging weiter bergab. Auf einer echten Parkniesche haben wir Pause gemacht. Erfreulicher Weise gab es sogar eine Grünfläche, auf der die Pferde grasen konnten. Für Jon und mich gab es Bratkartoffel im Dosenchampignonmantel und Gewürzen von Frau Soja und Tante Maggi. Ein Gaumenschmaus. Im nächsten Ort parkten wir vor Penny, denn Milch und Tee sowie Aufbackbrötchen standen auf der Liste. Wieder auf der Bundesstraße winkte uns ein Jeepfahrer wir sollen ihm folgen. Er besorgte uns einen prima 1a-spitzen – Parkplatz bei Bekannten direkt am Fluss mit herrlich grünem Gras und Apfelfallobst für die Pferde.

25.10. 07 – von Stühlingen nach Lauchringen, ca. 15 km

Die netten Besitzer des Grundstückes empfahlen uns noch einen Radweg den wir parallel zur Bundestraße folgen können. Anfangs war der Weg sehr eng. Unser Wagen mußte etwas leiden, weil die Gehölze in den Weg hinein ragten. Nach 2 km dann war die Strecke sehr schön zu fahren. Kurz vor dem Dunkelwerden schauten wir uns nach Parkgelegenheiten um. Mittlerweile wurde es dunkel und wir fanden immer noch keinen Platz. Ich sprang hinter Jon auf's Radel und wir fuhren Richtung Besiedlung. Zwei riesige gemauerte Hallen standen direkt neben der Straße. Was noch viel interessanter war: mit viel Gras drumherum. Wie sich herausstellte war der Eigentümer die benachbarte Mosterei. Ich ging hinein. Ein Junge ungefähr 14 Jahre erkundigte sich eher lustlos nach meinem Anliegen. Schließlich winkte er seinen Opa ran. Ich fragte, ob wir bei den Hallen auf der Grasfläche für eine Nacht parken könnten. Sichtlich unerfreut willigte er ein mit dem Zusatz „... aber nur für eine Nacht und ja keine Scherereien“! Jon wußte gar nicht was „Scherereien“ sind und ich habe dieses Wort auch schon fast aus meinem Kopfduden verloren. Ich denke er will halt keinen Ärger. Aber warum denkt er gleich an Ärger? Wir fuhren friedlich aber fix zum abgesprochenem Platz vor und waren froh das wir hier bleiben konnten.

26.10. 07 – von Lauchringen nach Dogern, ca. 20 km

Während ich am nächsten Morgen die beiden Kalten bürstete verteilte Jon die Pferdeäpfel. Wir verließen diesen Platz fast so, als wären wir nie dort gewesen. Als wir mit dem Gespann um die Ecke bogen, vorbei an der Mosterei, sah uns der Opa. Wir wunken ihm zu und siehe da, es kam ein Winker zurück. Es war Freitag und wir brauchten noch heute dringend einen Wochenendparkplatz. Noch vor 12:00 Uhr telefonierte ich mit den umliegenden Gemeinden. In der Nähe des Sportplatzes, an dem wir bereits vorbei fuhren, würden sie es uns gestatten für eine Nacht zu bleiben. Jedoch benötigen wir zwei Nächte, da Jon nicht vor dem Dunkelwerden am Samstag vom Spielen zurück kommen würde. Außerdem besichtigten wir die Fläche bereits. Es war nicht möglich dort zu bleiben, denn diesen Platz nutzten die Spieler und am Rande gab es auch nicht genug Fläche. Die andere Gemeinde wollte uns einen Berg hoch schicken. Dort sollte es am Rand von einer Straßen einen Waldparkplatz mit etwas Wiese geben. Hier könnten wir für eine Nacht bleiben. Doch von Wasser hatten sie nichts gesagt. Jon fragte sich, warum sie es nur für eine Nacht erlauben, wenn es doch ein richtiger Parkplatz ist? Berg hoch vermeiden wir sowieso, also kamen beide Vorschläge nicht in Frage. Unserer Meinung nach haben die Ämter keine Ahnung von ihren Grünflächen, sodass ihre Vorschläge recht rarr ausfallen. Der Umstand nach Gemeindeauskunft wird zusätzlich erschwert, wenn man am Freitag kurz vor Feierabend von den Mitarbeitern noch etwas möchte. Besser ist es schon vorher zu wissen, welches Grünland Gemeindeeigentum ist. Leider oft schwierig, wenn man nicht gerade jemanden trifft, der das weiß. So hatte auch der Parkplatz in Neuburg geklappt, kurz vor der französischen Grenze. Hier trafen wir auf einen Typ, der gerade den Deich mähte. Er empfahl uns die Gemeindewiese am Rhein. Ich telefonierte mit dem Vorzimmer des Bürgermeisters, ob die Frau an der anderen Leitung eine Wiese wüßte. Ihr kam nichts in den Sinn bis ich die entsprechende Wiese vorschlug. Erst dann klappte es! Am nächsten Tag kam besuchte uns der Bürgermeister und hinterlegte einen Gutschein in der „Lautermuschel“ (Näheres kann im Logbuch unter Tagebuch zurück verfolgt werden). 

Der Weg nach Dogern verlief mitten durch Waldshut auf der Bundesstraße. Durch Kurven und Gegenverkehr konnte uns kaum jemand überholen. Vor uns war die Straße wie leergefegt und hinter uns staute sich der Verkehr. An diesem Tag gab es das bislang größte Hubkonzert. Wir mußten auf dieser Straße fahren, es gab keinen anderen Ausweichweg. Entweder Berge oder Wasser. Jon ist auf so einer schlimmen Straße noch nie zuvor gefahren. Jeder LKW der hier fuhr hatte schon allein 20 – 30 Autos hinter sich. Die schrecklich befahrene Bundesstraße begleitete uns bis kurz vor Dogern. Wir bogen ab, um einen Parkplatz zu suchen, denn es wurde dunkel. Auf einem Wirtschaftsweg dicht neben dem Rhein wurden wir nicht fündig. Inzwischen war es schon fast ganz dunkel und selbst mit den Rädern gab es keine Aussicht auf ein Fleckchen Wiese. Eine Familie parkte mit dem Auto vor ihrem Haus. Ich erkundigte mich bei dem Mann, wem die Wiese vor seinem Haus gehöre. Er zeigte zum gegenüberliegendem Bauernhof. Dort fragte ich die Bäuerin im Kuhstall – zum Glück mit Erfolg. Jedoch wies sie uns auf eine kleine schmale Fläche vor dem Komposthaufen. Es war dunkel und ich konnte nicht sofort erkennen worauf wir parken würden. Ich raste zurück und Jon lenkte das Gefährt um eine schmale Kurve auf die Fläche. Als wir den Zaun aufbauten, bemerkten wir sofort das die Fläche schon von zahlreichen Kürbissen besetzt war. Ich erkundigte mich erneut bei der Bäuerin, ob diese Fläche die richtige sei. Sie ist es. In Rätseln bauten wir den Zaun auf, denn zu diesem Hof gehörten die umliegenden riesigen Wiesen dazu. Die Fläche für die Pferde jedoch sah aus wie Abfall (übersäät mit Kürbissen und Ackerbeikräutern). Hier hatten die Pferde nichts zu essen. Naja, wenigsten konnten wir offiziell für zwei Nächte verweilen. Jon & Billy nahmen am Tag darauf den Zug nach Konstanz. Nach ca. 1,5 Stunden erreichten sie die Stadt. Die Pferde fraßen inzwischen all unser Heu. Außer dem Sohn, kam von der Familie niemand zu uns rüber. Nicht einmal der Mann, der mehrmals täglich mit seinem Traktor direkt an uns vorbei fuhr. Er pflug den ehemaligen Maisacker um. Einige Kölbchen blieben vom Ernten zurück, die ich zahlreich für unsere Hottes sammelte, um ihnen wenigstens eine kleine Freude auf der Abfallfläche zu bereiten. Die Kinder der Nachbarshäuser halfen mir dabei. Es gab auch keine Aussicht auf einen besseren Parkplatz als ich am nächsten Morgen die Bauern der angrenzenden Wiesen fragte. Die Leute hier sind irgendwie komisch. Ob es am schweitzer Atomkraftwerk liegt, dass keine 100 m entfernt in den Himmel ragt?

28.10. 07 – von Dogern nach Lüttingen, ca. 7 km

Schon am Sonntag veließen wir diesen Ort. Der Nachbar, der mich auf das Bauerngehöft aufmerksam machte, besuchte uns vor Abfaht mit seinen drei Kindern. Er war so nett und gab uns 60 Liter Trinkwasser. Außerdem bekamen wir von ihm Strom, den wir dringend benötigten um Winston's und Django's verloren gegangene Stollen wieder anzuschweißen. Mit plötzlich fünf Kindern an Bord setzten wir unsere Fahrt fort. Nach einem Kilometer kam dann der Pappa und holte allesamt wieder mit dem Auto ab. Alle waren begeistert. Dieses Erlebnis werden sie bestimmt länger in Erinnerung behalten.
Kaum weit an diesem Tag gekommen kam Andrea Bächle mit Mutti und Hund Shiva aus Kirchen-Hausen angerollt. Sie hatten für uns zwei Ballen Heu, einen Sack Quetschhafer und Quetschgerste im Kofferraum. Außerdem bekamen wir noch leckeren selbst gebackenen Kuchen und Hasenschenkel mit auf dem Weg. Jon und Andrea fuhren vor, um nach Parkplätzen für uns Ausschau zu halten. Derweil blieben Frau Bächle, Shiva und ich am Wagen und schwätzten. Shiva verbrachte den Großteil der Zeit damit in die Richtung zu starren, in der Andrea sie mit dem Auto verlassen hatte. Eine knappe Stunde dauerte es, bis die beiden wieder ran waren. Zwei Möglichkeiten, aber nicht ideal meinte Jon, nachdem er aus dem Auto ausgestiegen ist. Frau Bächle nahm das Auto, um ihre Schwester zu besuchen, die hier in der Nähe wohnte. Andrea fuhr bis zu unserem Quartier mit. Hinter einem Friedhof, lag ein Grünstreifen, der von der Nebenstraße aus erreicht werden konnte. Leider ziemlich offen. Viele Sonntagsspaziergänger und Radfahrer nutzten das schöne Wetter für einen Ausflug. Wir warteten mit dem Aufnau der Koppel bis es dämmerig wurde. Als es dann ganz finster war holten wir Wasser vom Friedhof.

29.10. 07 – von Lüttingen nach Obersäckingen, ca 20 km

Beim Hufauskratzen am nächsten Morgen bemerkten wir, dass Winston wieder ein Stollen fehlte. Wir benötigten dringend Strom. Nach ca. 800 m fragte ich auf dem Bauhof mit Erfolg. Die Leute waren sehr nett und sichtlich von unserem Gepann erfreut. Wir sorgten für Abwechslung in ihrem Alltag. Der Oberschweißer stellte sich uns zur Verfügung. Mit seinem Profischweißgerät befestigte er die Stollen an Winston's Eisen, das Jon ihm vorher abmontierte. Django bekam derweil auch wieder einen Stollen hinten rechts angeschweißt. Die Leute vom Bauhof gaben uns noch einen entscheidenden Tipp, wir weiter fahren sollen. Ursprünglich hatten wir nämlich vor auf der Bundesstraße zu fahren. Uns hätte eine böse Überraschung erwartet, denn die geht plötzlich steil den Berg hinauf. Selbst LKW haben dort schwer zu schaffen. Sie empfahlen uns eine andere Route, die schmal, dafür aber ohne Verkehr und weniger steil sein würde. Wir fuhren durch den Torbogen vom Rathaus der Altstadt hindurch. Gut Lenken ist hier sehr wichtig, denn sonst würde man den schmalen Tunnel berühren. Der Untergrund war aus gepflastertem Kopfstein. Hinter dem Rathaus ging es dann auch den Berg hinauf. Noch unten, stoppten wir und ich flitzte vor, um mir einen Überblick über den Berg und den kurvigen Weg danach zu verschaffen. Auf dem Berg selbst war noch eine Bahnschranke zu passieren. Die ging auch gleich runter. Jon reparierte derweil unseren Rückrollstoppklotz. Als die Bahn durch war ging es mit Herzklopfen los. Jeder lief auf seiner Position – Jon vorn bei den Pferden und ich direkt hinter ihnen um evt. mit der Gerte auf den Arsch zu klopfen. Durch das blöde Kopfsteinpflaster rutschte Django mitten auf der Strecke mehrmals aus, Winston hatte dann plötzlich zuviel zum Ziehen und blieb auch stehen. Der Wagen rollte rückwärts über den Zurückrollstoppklotz drüber weg. Ich greifte schnell einen Klotz und packte ihn hinter das innere Vorderrad. Der Wagen knallte dagegen und schob den Klotz mehrmals ruckartig zurück bis er endlich den Wagen hielt. Alles schien auf dem beschissenen Pflaster zu rutschen. Mit noch mehr Herzklopfen führte Jon die Pferde wieder an. Sie rutschten weiterhin permanent aus. Ich brüllte wiederholt hinter ihnen das Kommando „ Allee“ und klopfte mit der Gerte ihre Ärsche. Das half und wir schafften es bis hinter die Bahnschranken. Fortan war es nicht mehr so steil, doch bevor es weiter ging reparierte Jon den Zurückrollstoppklotz. Zum Glück wechselte auch der Untergrund zur Teerstraße. Der Weg war sehr schmal – rechts und links neben uns, gerade in der Breite des schmalen Weges, abgehackter Felsen. Jon zirkelte den Wagen irgendwie hindurch. Um nicht zu schnell durch die enge Gasse zu sausen mußte er zugleich Django bremsen, der bergauf leich Panik bekommt. Entlang der Bahnschien folgten wir dem Radweg. Hier standen zwar Poller, aber diese konnten wir mit unserem Schlüssel öffnen. Der Weg wäre viel entspannter zu fahren, wenn er nicht zu eng gewesen wäre. An einem Kurzentrum legten wir Pause ein. Ein sehr idealer Platz, denn eine große Wiesenfläche grenzte direkt an einem öffentlichen Parkplatz dicht am Rhein.
Nach der ausgiebigen Pause schlugen wir unser Nachtlager ca. drei Kilometer entfernt auf einer Brachfläche auf. Vorher musste Jon noch einmal einen Poller aus dem Weg schaffen. Mit den Leinen in der Hand mußte ich das Gespann über eine sehr schmale Brücke lenken. Jon war noch auf dem Weg und betrachtete das Spektakel von hinten. Er meinte anschließend zu mir dass nur ca. 10 cm zu beiden Seiten Platz war und er ganz schön mitgefiebert hat.

Am selben Abend besuchte uns Werner, der Oberschweißer vom Bauhof. Er lud uns zu seiner Familie zum Abendessen ein. Es gab Schnitzel mit Nudeln und Salat und zum Nachtisch Eis. Gemeinsam schauten wir noch auf die Karte, denn falls uns die Schweiz nicht durchläßt bräuchten wir Plan B.  Die Alternativrouten sahen leider sehr abendteuerlich aus. Die Familie kannte sich zum Glück in dieser Gegend gut aus. Nach sorgfältiger Prüfungung aller Alternativstrecken um die Schweiz zu umfahren
müßten wir mehrere Steigungen hinauf und hinunter. Wir entscheiden uns für Plan A durch die Schweiz!!! Einigie Wochen zuvohr erkundigte ich mich bei meiner schweitzer Cousiene welche Vorraussetzung für die Passierung der schweitzer Grenze mit Pferden erfüllt werden müßten. Sie telefonierete mit mehreren Grenzbeamten, denn die schienen mit der Frage überfordert gewesen zu sein. Es stellte sich heraus, dass ein Gutachten vom Amtstierarzt benötigt wird, welches die im Pferdepass eingetragenen, regelmäßigen erfolgten und erforderlichen Impfungen bestätigen soll. Dieses Papier darf zudem nicht älter sein als 10 Tage.
Am nächsten Tag war Jon furchtbar erkältet. Halsweh, schnupfen, rote Augen und Kopf- und Gliederschmerzen. Wir blieben an Ort und Stelle und ich versorgte mein Schatzi mit Medizin.

31.10. 07 – von Obersäckingen nach Beuggen, ca 17 km

Mein Süßer war zwar immer noch nicht wieder fit, trotzdem spannten wir an. Bummeln können wir uns nicht leisten, denn eigentlich wollten wir Anfang November schon in Freiburg sein.
Und wieder ein Stollen ab von Winston's Eisen. Nach ein paar Kilometern schreckliche Bundesstraße bogen wir auf einen Nebenweg ab. Bei Renault bekamen wir Strom. Doch die Leute hier waren kaum interessiert an uns. Sie erledigten halt ihren Job. Zum Glück konnten wir die nächsten vier Kilometern wieder der Bahngleise folgend auf dem Nebemweg fahren. Dann wieder drei Kilometer Bundesstraße. Wir fanden einen Parkplatz auf einer städtischen Grünanlage dicht am Rhein. Das Gras wurde hier geschnitten und liegen gelassen. Der Wagen parkt direkt neben der Koppel auf einem Parkplatz. Ein idealer Fleck, geradezu geschaffen für Leute mit Fuhwerken.

1.11. 07 – von Beuggen nach Wyhlen, ca. 11 km

Gegen Mittag verließen wir den sehr schönen öffentlichen Parkplatz mit Blick auf den Rhein. Die Pferde kamen voll auf ihre Kosten und stopften sich mit frisch geschnittenem grünen Gras die Bäuche voll. Es war Feiertag. Der Radweg, den wir nahmen wurde sehr eng und es war kein Vergnügen mehr ihn zu benutzten. Lauter Feiertagsradfahrer, für die man ausweichen mußte und dann lauter nervige Äste. Wir verzogen uns auf die Bundesstraße, auf der anders wie sonst kaum Betrieb war. Unseren nächsten Parkplatz fanden wir im Industriepark von Wyhlen. Eigentlich immer eine gute Adresse so ein Gewerbegebiet. Hier stößt man öfter auf Restflächen und noch unbebauten Bauland. Hauptsache Wasser ist in der Nähe. Beim Einzäunen fiel mir ein Kraut besonders auf. Das Bestimmungsbuch bestätigte meinen Verdacht – Zypressenwolfsmilch. Zählt laut Pferdeanzeiger zu Platz 13 für Pferde giftige Kräuter. Wir vermeiden es natürlich auf Flächen mit Gitfpflanzen zu parken, doch mittlerweile war es fast dunkel. Wenn es nichht anders geht, werden sie rausgerupft, so wie an diesem Abend. Das, was übersehen wird, bleibt in der Hoffnung stehen, nicht von den Pferden gegessen zu werden.

2.11. 07 – von Wyhlen nach Haltingen, ca. 20 km

Wie jeden morgen, fällt der erste von uns – noch tief im Halbschlaf – fast aus dem Bett, um nach den Pferden zu schauen. Alles ok! Die Pferde grasten friedlich. Mein Schatzi musste ersteinmal den Ofen ordentlich einheizen, bevor sich meine Nase vorsichtig aus der Bettdecke traute. Danach tranken wir Tee. Mittlerweile war es schön warm und wir genossen das Frühstück mit ofenfrischen Aufbackbrötchen. Django mußte an diesem Tag der Popo gewaschen werden, schließlich wollten wir ja die Grenze passieren. Er bevorzugte es die Nacht schlafend auf einem seiner Haufen zu verbringen, obwohl die Koppel riesig war. Winston hingegen legt immer ein Klo an. Bei ihm würde so etwas nicht vorkommen.
Beim Hufeauskratzen bemerkte Jon, dass bei Winston erneut Stollen fehlten. Wir brauchten also wieder dringend Strom. Zirka zwei Kilometeer später klappte es bei dem Betreiber einer Autowaschstraße. Der nette Herr war ganz schön im Stress, denn viele Leute wollten ihr Auto für das Wochenende (Fahrt zur Geliebten ;-) ) blitze blank haben.
Kurz vor der Grenze zur Schweiz nahmen wir Nina mit auf dem Wagen. Die Pässe aller Getrappler hatten wir vorher schon extra parat glelegt. Natürlich waren wir sehr aufgeregt, wer weiß, ob wir überhaupt durchgelassen werden.? Wir dachten jeden Moment daran angehalten zu werden und schauten gespannt zu den Grenzzollbeamten. Die schauten neugierig herüber aber ohne ein Zeichen uns stoppen zu wollen. Wir lächelten ihnen nett entgegen und fuhren munter weiter. Das war's??? Jon und ich wir schauten uns an und konnten es kaum fassen. Einfacher ging es nicht!!! Nina sprang wieder runter. Welcome Basel! Eine schreckliche Stadt mit viel Verkehr links und rechts neben dir, vor dir und hinter dir, sowie über und unter dir. Basel forderte die vollste Konzentration aller Getrappler. Zum ersten Mal hörte ich Django und Winston wiehern. Hä?, fragte ich mich, warum wiehern die denn?? Es war weit und breit kein anderes Pferd zu sehen oder zu riechen. Jon kannte diese Art Wiehern schon von Django. Er macht das immer, wenn ihm etwas gegen den Strich geht. Soviel geballte Ladung Stress da wollten die dagegen - verständlicher Weise - protestieren!!! Zur Zeit als noch mehr Pferdefuhrwerke auf der Straße unterwegs waren, gab es diese Art Horrorstress noch nicht. Dafür haben sich die beiden ganz tapfer geschlagen. Mitten in Basel fanden wir direkt neben einem Fluss einen Pausenparkplatz mit Gras. Dieser lag in der Mitte unter zwei Eisenbahnbrücken. Zuerst zogen wir Winston aus und ließen ihn in die Pausenkoppel – sofort begann er zu fressen. Als wir Django dazu sperrten war Grasen tabu. Aufgeregt trabte und galoppierte er umher. Sogar Winston ließ sich von ihm anstecken. Wir trennten die Koppel. Django gab trotzdem keine Ruhe. Überall Krach über ihm die Eisenbahnen und neben ihm LKW's. Der Junge war nicht runter zu kriegen. Schließlich bekam er Leinenhaft an der Deichsel und Heu. Es half wenigsten ein bisschen und bewahrte ihm vor allem vor dem Ausbrechen. 16:00 Uhr ging es weiter. Jetzt mußten wir wieder nach Deutschland rein. Nina holten wir wieder rauf und wir lenkten unser Gefährt auf den LKW – Streifen über die internationale Grenze in's Euro-Land. Wir lächelten uns zu und schon waren wir drüben! Juchuhh es hat sich gelohnt, die Pferde vor einer Zwangs-Alternativ-Tour durch die Berge zu verschonen!!!
Schon fast im Dunkeln parkten wir unseren Wagen direkt am Rhein. Für die Pferde gab es eine kleine Fläche in der angrenzenden Weichholzaue. Hier wuchs leider kein Gras. Zum Glück hatte wir noch zwei Ballen Heu dabei, die wir verfütterten konnten. Ein aufregender Tag ging zu Ende.

3. 11 . 07 - von Haltingen nach Istein, ca. 10 km

Es war Sonnabend. Eigentlich Spieltag, doch ohne Heu und Gras für den Tag, hatte sich das Spielen erledigt, da wir umparken mußten. Gegen 10:00 Uhr kam die Grenzpolizei vorbei. Auf der anderen Rheinseite war statt der Schweiz jetzt Frankreich. Die Beamten waren sehr freundlich. Nach einer kurzen Passkontrolle fuhren sie davon. Wenig später fuhr ein Auto vor. Ein Mann mittleren Alters stieg aus und joggte 'ne Runde. Dann schaute ich gespannt aus dem Fenster, denn er zog eine Badehose an. Ich konnte es kaum glauben, denn tatsächlich sprang er in den Rhein und schwomm mindestens 100 Meter. Ein verrückter Kerl. Er kam ursprünglich aus Kasachstan und lebt bereits seit 10 Jahren in Deutschland. Vor 20 Jahren traf er an der russischen Ostseeküste ein Pärchen, von denen er sich das ExtremBaderitual abschaute. Es soll die Abwehrkräfte stärken, sodass man gesund und fit bleibt, behauptete er. Jon schwimmt in überhaupt keinem Wasser, wenn es nicht über 30 °C hat. Mit Mühe und viel Überzeugung hattte ich ihn in Karlsruhe in's Rheinwasser bekommen. Von Badevergnügen war für ihn jedoch nicht die Rede. In Frankreich sprang er fast aus eigenen Stücken ins Wasser. Es war ein privater Gartenteich, der durch die Sommerhitze schon angenehm warm war.
Von nun an konnten wir die Bundesstraße meiden. Auf ruhigen Nebenwegen setzten wir unsere Fahrt nach Freiburg direkt im Rheintal fort. Einen fast idealen Parkplatz fanden wir in Istein. Wir zäunten die Pferde auf einer Restfläche mit Gras überwachsen unter einer Hochspanunsleitung ein. Direkt nebenan verlief ein Bach. Dahinter wuchsen Gehölze. Völlig ungestört verbrachten wir auf diesem Fleckchen noch einen weiteren Erholungstag.

It's  autumn now!

Schöner Herbst

Bessere Tage gibt es noch immer:
Briefe kommen, man bleibt doch verbunden.
Abende gibt es mit Sonnenstunden.
Bücher von Freunden im friedlichen Zimmer.

Richtig verschnitten hab ich die Rosen.
Ende September blühn sie noch mal.
Sacht am Kalender dreht sich die Zahl.
Herbst wird es ohne Toben und Tosen.

Wohl hatten wir schon Reif in der Frühe.
Frostschwarz hängen die Kürbisblätter.
Jetzt ist fast wieder Sommerwetter.
Nächtlich im Wiesental weiden die Kühe.

Gut ist auch das, ihrem Atem zu lauschen.
Wenn man spät noch einmal am Birkenweg steht
Und ein Stern im Eis der Ferne vergeht
Und die nahen Wasser frühlinglich rauschen.

von Eva Strittmatter
(Vielen Dank an Karsten Eggeling)
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